AWO und ZFF kritisieren "oberflächlichen" Familienreport

16.02.2009 | Berlin
Als "Wahlkampfgeklingel", das an den konkreten Problemen der Familienpolitik vorbeigeht, haben der AWO-Bundesverband und das Zukunftsforum Familie (ZFF) den Familienbericht von Ministerin Ursula von der Leyen kritisiert. "Primär geht es ja nicht nur um eine Steigerung der Geburtenrate, sondern vor allem darum, alle Kinder optimal zu fördern", betont AWO-Bundesvorstand Rainer Brückers.

"Und solange in unserem reichen Land drei Millionen Kinder in Armut leben und jedes Jahr 80 000 Jugendlich ohne Schulabschluss bleiben, ist dieses Ziel nicht erreicht." Damit Deutschland wirklich familienfreundlicher wird, muss die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessert werden. "Konkret geht es jetzt darum, den geplanten Ausbau der Betreuungsangebote insbesondere auch für die Unter-Dreijährigen zügig umzusetzen", bekräftigt der AWO-Bundesverband. Dazu müssen die Bundesmittel rasch an die Kommunen weitergeleitet werden und die Ausbauanträge der Freien Träger, die 60 Prozent der Kindertageseinrichtungen stellen, bewilligt werden. Auch muss der jetzt schon gravierende Fachkräftemangel behoben und die viel zu geringen Ausbildungskapazitäten im Erzieherbereich verbessert werden, fordert die AWO. "Das Elterngeld ist ein wichtiger Schritt, aber nach einem Jahr finden dann viele Eltern insbesondere in Westdeutschland keinen Kita-Platz und müssen eine längere berufliche Auszeit nehmen, als sie eigentlich wollen und sich leisten können", unterstreicht ZFF-Geschäftsführerin Barbara König. Was die familiäre Arbeitsteilung betrifft, hat das Elterngeld einen spürbar positiven Effekt, doch immer noch nehmen nur 16 Prozent der Väter eine Elternzeit und die allermeisten gerade mal zwei Monate - "Da ist noch viel zu tun", unterstreicht Barbara König. Konkret fordern AWO und ZFF mehr Flexibilität bei der Kombination von Elterngeld und Teilzeitarbeit. "Das ist insbesondere auch für Väter attraktiver als längere Zeit ganz aus dem Job zu gehen", betont Barbara König. Den Plan von Ministerin von der Leyen zusätzliche Partnerzeit auf die bisherigen 12 bis 14 Monate oben drauf zu setzen, also das Elterngeld dann insgesamt 16 bis 18 Monate lang zu zahlen, sehen AWO und ZFF kritisch: "Das hält die Eltern zu lange vom Arbeitsmarkt fern und ist viel zu teuer. Das Geld sollte besser in die Umsetzung des Betreuungsausbaus investiert werden", betont die ZFF-Geschäftsführerin. Auch die von der Ministerin angeregte "Kinderkomponente im Steuerrecht" lehnen AWO und ZFF in dieser Form ab. "Hört sich toll an, ist aber nur eine Ausweitung des 2 Ehegattensplittings auf Kinder und damit nur eine weitere Förderung der gutverdienenden Familien", erklärt AWO-Chef Brückers. AWO und ZFF betonen, dass mit dem nun auch im Rahmen der Konjunkturförderung zur Verfügung stehenden Geld eine Initiative verbunden sein sollte, allen Kindern den wirklich kostenlosen Zugang zu Bildungsangeboten und Förderungen zu garantieren.

Quelle: Pressemeldung Fachverband Zukunfsforum Familie

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