"Nationaler Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige" am 21. Juli 2010
Unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Mechthild Dyckmans findet am Mittwoch, 21. Juli 2010 zum 12. Mal bundesweit der "Nationale Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige" statt, der von einer Elterninitiative für akzeptierende Drogenarbeit 1998 ins Leben gerufen wurde.
Wie schon in den vergangenen Jahren beteiligt sich das Drogenhilfezentrum Café Balance, eine Einrichtung des Fachbereiches Suchthilfe der Stadt Mainz, mit einer Aktion vor dem Eingang der Römerpassage / Ecke Pfandhausstrasse (Sparda-Bank) von 12.00 bis 15.00 Uhr an dem Gedenktag. Die Aktion wird unterstützt durch die Stiftung Suchthilfe Mainz.
Leider sind auch im vergangenen Jahr - trotz aller Bemühungen - einige unserer Klienten und Klientinnen an ihrer Sucht verstorben. Sei es nun unmittelbar durch eine Drogenüberdosierung, oder mittelbar durch die begleitenden Folgen eines chronischen Drogengebrauches. Dieser Tag macht uns immer wieder bewusst, dass hinter den nüchternen Zahlen der Statistik Einzelschicksale von Menschen und ihren Angehörigen stehen, die gehofft und gelitten haben. Deshalb ist es uns ein Herzensanliegen öffentlich ihrer zu gedenken. "Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt" (Bertolt Brecht).
Darüber hinaus bestärken sie uns, unsere Bemühungen fortzusetzen und für ein verbessertes Hilfsangebot für Drogenabhängige in Mainz zu kämpfen, denn jeder Drogentote ist einer zuviel!
Viele Drogenabhängige befinden sich in einer schlechten gesundheitlichen und psychischen Verfassung, ihr Alltag ist geprägt von Perspektivlosigkeit und Resignation. Niedrigschwellige Einrichtungen wie das Drogenhilfezentrum Café Balance bieten Überlebenshilfen und Angebote zur Schadensreduzierung und tragen so dazu bei, die Zahl der Todesopfer unter den Suchtkranken zu reduzieren und die Folgeschäden des Suchtmittelkonsums zu begrenzen. Die Prävention von chronischen Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitis C ist dabei ein wichtiges Ziel.
Die Entstehung einer Suchterkrankung ist ein sehr komplexes Geschehen. Der Weg in die Sucht ist keine Einbahnstrasse, aber auch für den Weg aus der Sucht gibt es nicht den einen, für alle gleichermaßen gültigen Königsweg.
In den letzten Jahren haben sich Drogenersatzprogramme (Substitution) und Drogenkonsumräume als Bestandteil der Überlebenshilfe bewährt, seit 2009 ist die Behandlung von Schwerstabhängigen mit dem Originalstoff Heroin möglich geworden. Leider sind nicht alle Hilfsangebote für alle Suchtkranken gleichermaßen erreichbar. Der Fachbereich Suchthilfe unterstützt daher die Forderung, dass alle erfolgversprechenden Möglichkeiten zur Behandlung der Suchterkrankung oder zur Linderung der negativen Begleiterscheinungen, den Suchtkranken auch zur Verfügung stehen.
Ziel der Drogenhilfe ist es, die Drogenanhängigen mit Hilfeangeboten bestmöglich zu erreichen und suchtkranke Menschen zu entkriminalisieren.
Die polizeiliche Kriminalstatistik weist bundesweit für 2009 exakt 1331 Menschen aus, die an den Folgen ihres Drogenkonsums verstorben sind (1449 in 2008). Die Zahl der verstorbenen Drogenkonsumenten in Rheinland-Pfalz stieg allerdings 2009 auf 60 an (57 in 2008).
Um diese nüchternen Zahlen zu veranschaulichen, werden in einer Aktion Gedenksteine, an denen weiße Luftballons - die den Namen unserer verstorbenen Klienten tragen - befestigt sind den Passanten "in den Weg" gelegt. Um 15.00 Uhr werden die Ballons als weithin sichtbares Zeichen in den Himmel aufsteigen.
Als wiederkehrendes Symbol werden an diesem Tag weiße Rosen verteilt, ein Flyer klärt über die Bedeutung der Aktion auf.
Quelle: Pressemeldung Stadt Mainz
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