Spielautomaten: Bundesregierung vergibt Studie an industrienahes Institut

17.06.2010 | Berlin
Zur Antwort der Bundesregierung auf unsere Kleine Anfrage zur Evaluierung der Spielverordnung erklärt Harald Terpe, Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik:

Bis Ende des Jahres muss die Bundesregierung eine Untersuchung über die Auswirkungen der novellierten Spielverordnung vorlegen. Teil dieser Untersuchung ist eine Studie zu den Suchtgefahren von Spielautomaten. Die Bundesregierung scheut nicht davor zurück, den Auftrag für diese Studie freihändig an ein Institut zur vergeben, das in der Vergangenheit bereits Forschungsgelder der Spielautomatenindustrie erhalten hat. Es lässt tief blicken, wenn die Bundesregierung erklärt, sie sehe keinen Grund, weshalb dies die Unabhängigkeit des Instituts beeinträchtigen könnte (BT-Ds.17/2037).

Auch die Tatsache, dass sich die Zahl der jungen Männer, die an Automaten spielen, seit der Lockerung der Spielverordnung mehr als verdoppelt hat, scheint sie nicht zu beunruhigen. Obwohl seit langem bekannt ist, dass an Spielautomaten innerhalb weniger Stunden ganze Monatsgehälter verspielt werden können, sieht die Bundesregierung keinen Handlungsbedarf, sondern will erst die Ergebnisse der Evaluierung abwarten. Das halten wir für unverantwortlich.

Etwa 250.000 Menschen in Deutschland sind spielsüchtig. 80 Prozent von ihnen haben ein Problem mit Spielautomaten, die in Spielhallen und Kneipen stehen und im Gegensatz zu anderen Glücksspielen in die Zuständigkeit des Bundes fallen. Die Betroffenen sind durch ihre Sucht in der Regel hoch verschuldet. Häufig verlieren sie ihre Wohnung oder ihren Arbeitsplatz. Ein großer Teil der Abhängigen ist suizidgefährdet. Die Familien vieler Süchtiger zerbrechen an diesen Belastungen. Eine Absenkung des Suchtpotentials durch eine Entschärfung der Geräte ist daher dringend geboten.

Quelle: Pressemeldung Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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