Teenies und Alkohol: EU sucht neue Wege zur Risiko-Aufklärung
Komasaufen ist überall in Europa verbreitet. Darum startet die EU in diesem Monat das "Take care"-Projekt. Es will in zehn EU-Staaten gleichzeitig neue Wege zu alkoholgefährdeten Jugendlichen, zu ihren erwachsenen Vorbildern und zu bedenkenlosen Spirituosenhändlern finden. Fachlich mit von der Partie ist die Koordinationsstelle Sucht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). LWL-Jugenddezernent Hans Meyer zu Konzept und Zielen von "Take care (dt.: Gib Acht; Pass auf; Sorge Dich)".
Was ist die europäische Dimension des jugendlichen Alkoholproblems?
Meyer: Europa hat unter allen Kontinenten die höchste Alkoholkonsumrate. In den Kulturen fast aller EU-Länder ist der Konsum von Alkohol fest verankert. Das riskante Trinken von Jugendlichen und insbesondere das Komasaufen sind inzwischen beinahe flächendeckend verbreitet, auch wenn jugendlicher Alkoholkonsum von unterschiedlichen kulturellen, sozialen und politischen Besonderheiten in den Mitglieds- und Mitmachländern beeinflusst ist.
Gibt's aktuelle Zahlen?
Meyer: Laut HBSC-Studie, der internationalen Kinder- und Jugendgesundheitsstudie von 2005/2006, trinken fünf Prozent der Elfjährigen, elf Prozent der 13-Jährigen und 26 Prozent der 15-Jährigen regelmäßig Alkohol. Man sieht: Mit jedem Zwei-Jahres-Schritt beim Lebensalter verdoppelt sich der Prozentanteil alkoholkonsumierender Teenies.
Welche Rolle spielen Erwachsene?
Meyer: Eltern und andere Vorbilder sind sich vielfach ihrer Verantwortung nicht bewusst. Händler, Verkäufer missachten oft ihre Pflichten beim Verkauf von Alkohol an Minderjährige.
Was also will "Take care" tun?
Meyer: Bei den Jugendlichen wollen wir das Risikobewusstsein gegenüber Alkohol erhöhen. Dafür werden zunächst Schlüsselpersonen, wie z.B. Streetworker, Trainer, Jugendleiter und auch Gleichaltrige geschult. Sie suchen die Jugendlichen überall dort auf, wo sie riskant und exzessiv trinken oder die Folgen erleiden - im Stadtpark und auf der Party genauso wie im Krankenhaus oder im Notdienstzelt. Eltern unterstützen wir systematisch bei der Ausbildung einer klaren und reflektierten Haltung zum Alkoholkonsum. Einzelhändler und ihre Beschäftigten schließlich bekommen nach einem belgischen Modell Informationen und Schulungen zu alltäglichen Verkaufssituationen. Neben der Umsetzung dieses so genannten 'Mehrebenenansatzes" hinsichtlich der unmittelbar Beteiligten wird spannend sein zu sehen, welche Wechselwirkungen sich mit dem soziokulturellen und nationalstaatlichen Normenkontext ergeben. Die Frage ist, ob das Projektkonzept in Dänemark genauso funktioniert wie auf Zypern oder in Portugal.
Apropos: Wo soll denn "Take care" stattfinden?
Meyer: Die zehn Mitmachländer sind Belgien, Deutschland, Dänemark, Slowenien, Slowakei, Italien, Portugal, Zypern, Griechenland und Irland. Für Deutschland realisiert die LWL-Koordinationsstelle Sucht das 33 Monate dauernde Projekt zusammen mit dem Diakonischen Werk Herford
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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