Verbrauchervertrauen ist Voraussetzung für Erfolg digitaler Technologien
Dies betonten Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner und BITKOM-Präsidiumsmitglied Prof. Dieter Kempf in Berlin. Anlässlich des "Safer Internet Day" der Europäischen Union veranstalten das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) heute eine Konferenz zum Datenschutz in der Informationsgesellschaft.
"Die Selbstbestimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher im Umgang mit ihren Daten muss gestärkt werden", sagte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Der Schutz persönlicher Daten sei in der digitalen Welt ein besonders wichtiges Thema für Politik und Wirtschaft. "Nur wenn Verbraucherinnen und Verbraucher Vertrauen in die digitale Technik haben, kann sich deren Potential voll entfalten. Dies gilt nicht nur in Schönwetterzeiten", so Aigner weiter.
Laut einer Umfrage von infratest dimap aus dem Jahr 2008 wünschen sich 95 Prozent der Deutschen, dass ihre Daten nur noch mit ihrer Zustimmung weitergegeben werden dürfen. Eine entsprechende gesetzliche Regelung befindet sich in der parlamentarischen Abstimmung.
Bundesministerin Aigner forderte die Verbraucher zu einem vorsichtigen Umgang mit ihren Daten auf: "Die Verbraucher müssen genau darauf achten, an wen sie ihre E-Mail-Adresse weitergeben oder ob sie bei Gewinnspielen in die Weitergabe ihrer persönlichen Daten einwilligen."
BITKOM-Präsidiumsmitglied Prof. Dieter Kempf betonte, wie wichtig es sei, das Datenschutzrecht an die digitale Entwicklung anzupassen. "Das Datenschutzrecht stammt aus dem Zeitalter der Lochkarten", so Kempf. Die elektronische Datenverarbeitung und das Internet seien nicht ausreichend berücksichtigt. "Wir brauchen eine Runderneuerung des Gesetzes. Oberflächliche Änderungen nach Fällen von Datenmissbrauch genügen nicht."
Der Hightech-Verband BITKOM fordert, sensible Informationen wie Konto- und Gesundheitsdaten besonders stark zu schützen. Im Fokus müsse zudem die Selbstbestimmung der Verbraucher stehen. Viele Menschen würden gern Werbung erhalten, andere nicht. "Entscheidend ist, dass die Kunden wissen, wer zu welchem Zweck Daten nutzen darf. Das Gesetz muss für die nötige Transparenz sorgen", sagte Dieter Kempf. Der BITKOM unterstützt das von der Bundesregierung geplante freiwillige Datenschutz-Audit für Unternehmen und fordert eine bessere Ausstattung der Datenschutzbeauftragten in Bund und Ländern.
"Gesetze allein genügen nicht", betonten Bundesministerin Ilse Aigner und BITKOM-Präsidiumsmitglied Kempf. Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssten noch stärker darüber aufgeklärt werden, wie sie beim Surfen im Internet ihre Privatsphäre besser schützen könnten. "Gerade bei jungen Menschen müssen wir das Bewusstsein schaffen, welche Folgen es haben kann, wenn zu viel preisgegeben wird", sagte Kempf.
23 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren stellen persönliche Informationen wie Profile, Meinungen, Ideen und Bilder ins Internet, so eine forsa-Umfrage im Auftrag des BITKOM. Vor einem Jahr waren es noch 18 Prozent. "Unter den jungen Menschen bis 29 Jahre veröffentlichen sogar zwei von drei Befragten Infos über sich im Web", so Kempf weiter. Besonders beliebt seien Steckbriefe in Online-Netzwerken. 16 Prozent der Bundesbürger sind in solchen "Communitys" präsent; bei den 14- bis 29-Jährigen ist es sogar jeder Zweite.
Auf vielen Webseiten werden persönliche Daten abgefragt: So gaben 61 Prozent der Internet-Nutzer in den vergangenen zwölf Monaten ihren Namen und Adresse preis, 38 Prozent der Nutzer ihre Kontonummer, Beruf oder Hobbys. Doch nicht jeder trifft Vorsichtsmaßnahmen: 28 Prozent der Nutzer, die solche Angaben machen, lesen die Datenschutzerklärung der Webseiten-Betreiber nicht. Und jeder Dritte verzichtet auf das Angebot vieler Internet-Plattformen, die Datenschutz-Einstellungen persönlich anzupassen, ergab die Umfrage von BITKOM und forsa.
Mehrere durch das Bundesverbraucherschutzministerium geförderte Projekte sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher deshalb beim Selbstschutz ihrer Daten unterstützen:
* Eine Medienkampagne im Rahmen des vom Bundesfamilienministerium geförderten Projekts "Jugend online" soll Jugendliche im Umgang mit persönlichen Daten im Internet sensibilisieren und ihre Medienkompetenz stärken.
* Ein Projekt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e.V. soll für den Umgang mit persönlichen Daten sensibilisieren, über Schutzmöglichkeiten informieren und, sofern notwendig, rechtliche Maßnahmen gegen Rechts- und Datenmissbrauch einleiten.
* Die Technische Universität Berlin erstellt derzeit ein umfassendes Informationsportal zu verbraucherrelevanten Themen. Dort soll leicht verständlich über die technischen Möglichkeiten zur sicheren Internetnutzung einschließlich des Datenschutzes im Internet informiert werden.
Der BITKOM gibt ebenfalls eigene Verbraucherinformationen heraus und beteiligt sich an der Initiative "Deutschland sicher im Netz e.V.", in deren Beirat auch das BMELV vertreten ist. Die Initiative ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Verbände, Unternehmen und Institutionen unter Schirmherrschaft des Bundesinnenministeriums. Hier bekommen Unternehmen, Privatnutzer und Jugendliche Tipps zum sicheren Surfen. Zudem ist BITKOM Gründungsmitglied der Initiative "Ein Netz für Kinder". Sie hat mit fragfinn.de einen sicheren Surfraum für den Nachwuchs geschaffen.
Quelle: Pressemeldung BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.
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